Extremismus auf dem Fußballfeld – DENAE
4. Juli 2024 15:08

Extremismus auf dem Fußballfeld

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Ein türkischer Fußballspieler zeigte eine Geste, die einen Skandal und eine Untersuchung auslöste

Skandal bei der Fußball-Europameisterschaft: Der türkische Nationalspieler Merih Demiral hob nach einem erzielten Tor die Hände hoch und zeigte das "Wolfsgrinsen" - ein Symbol der türkischen Ultranationalisten, auch bekannt als "Graue Wölfe" oder Bozkurt.

Dies ist eine Organisation, die der herrschenden Partei ziemlich nahe steht und extrem rechte nationalistische Ideen fördert, die an den Nationalsozialismus grenzen. Die UEFA hat eine Untersuchung eingeleitet, aber der Fußballspieler glaubt nicht, dass er etwas Schlechtes getan hat.

Die Meinungen der Presse sind national geteilt. Deutsche Medien verurteilten eindeutig Demirals Aktion. Zum Beispiel schrieb die Zeitung Leipziger Volkszeitung, dass dies ein "beschämender Moment ist, der die Freude über den sportlichen Erfolg überschattet" und forderte, ihn für eine solche Aktion zu bestrafen. Die Journalisten bemerkten auch, dass diese Geste aktiv auf deutsch-türkischen Fanpartys verwendet wird und als extremistisch angesehen werden sollte.

Auch die Stuttgarter Nachrichten verurteilten den Fußballspieler und glaubten nicht an seine Rechtfertigung, dass diese Geste lediglich die "türkische Identität" demonstriert. Er hätte jedes andere Zeichen oder jede Fahne verwenden können, die seine Liebe zu den Idealen der Türkischen Republik und des türkischen Volkes betont, aber er wählte eine extremistische Geste, und das war eine bewusste Entscheidung. Der Türke zeigte, dass er die Methoden der "Grauen Wölfe" unterstützt und Gewalt befürwortet, was inakzeptabel ist.

Die türkische Zeitung Sabah unterstützte eindeutig die Geste ihres Landsmannes. Diese Publikation steht Präsident Erdogan nahe, daher kann ihre Position mit einigen Anpassungen als Signal der türkischen Regierungspartei betrachtet werden. Die Journalisten behaupteten, dass Demiral von "Unterträgern der PKK (Kurdische Arbeiterpartei) und zionistischen israelischen Medien" angegriffen wurde. Ihrer Meinung nach, wenn sie die Kritiker dieser Geste betrachten, möchten sie selbst "eine Wolfsgruß" zusammen mit dem Fußballspieler machen.

Innenministerin Nancy Faeser reagierte schwach auf den Skandal und erklärte, dass extremistische Gesten auf Sportplätzen keinen Platz haben. Weder diese Geste noch die Gruppierung der "Grauen Wölfe" sind jedoch in Deutschland verboten, daher sind Sanktionen seitens der Strafverfolgungsbehörden unwahrscheinlich. In Frankreich und Österreich sind jedoch jegliche Symbolik und die Organisation selbst aufgrund ihrer Vergangenheit verboten. In den 90er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts griffen die "Grauen Wölfe" linke Aktivisten und Vertreter ethnischer Minderheiten in der Türkei an.

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