FIFA vor dem Auszug aus Zürich? – DENAE
14. Mai 2024 16:40

FIFA vor dem Auszug aus Zürich?

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Reformpläne von Infantino bedrohen fast hundertjährige Tradition

FIFA-Präsident Gianni Infantino plant eine umstrittene Satzungsänderung, die den Wegzug des Weltverbandes aus Zürich ermöglichen könnte. Diese Entscheidung wird beim kommenden Kongress in Bangkok getroffen.

Seit 1932 residiert die FIFA in Zürich, seit 2007 im neuen Hauptquartier, das für rund eine Viertelmilliarde Schweizer Franken errichtet wurde. Nun könnte diese Verbindung bald enden. Am Freitag wird der Kongress in Bangkok über eine Reform abstimmen, die es ermöglichen würde, den Sitz des privaten Verbands aus Zürich zu verlegen.

Aktuell ist im ersten Artikel der FIFA-Satzung festgelegt, dass die Vereinigung Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen ist und seinen Sitz in dieser Stadt hat. Die Passagen müssen gestrichen oder angepasst werden. Zukünftig soll der Kongress den Ort des FIFA-Sitzes bestimmen können. Dies würde dem Weltverband und insbesondere Infantino mehr Flexibilität und Macht verschaffen, das Hauptquartier nach Belieben zu verlegen.

Zürich ist seit Jahrzehnten Heimat vieler großer Sportverbände, die von günstigen steuerlichen Konditionen und einer wohlwollenden Politik profitieren. Infantino selbst hat diese Vorzüge seit seinem Amtsantritt 2016 genutzt, da die Schweizer Justiz bei fragwürdigen Vorgängen oft nicht gründlich ermittelte. Doch nun scheint er die FIFA immer mehr in die weite Welt hinaus zu verlagern. Gianni Infantino hat bereits Dependancen in Paris und Miami aufgebaut.

Seit Mitte 2021 residiert eine Gruppe von FIFA-Mitarbeitern im prächtigen Hôtel de la Marine am Place de la Concorde in Paris. Diese Entwicklung wurde von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterstützt, der Steuervergünstigungen für internationale Sportverbände einführen wollte. Der Plan wurde jedoch vom französischen Verfassungsgericht gestoppt.

In Miami wurde eine weitere große Zweigstelle eröffnet, wo nun mehrere Kernbereiche der FIFA untergebracht sind. Dies könnte die Kommunikation in wichtigen Bereichen erschweren. Insgesamt soll eine dreistellige Zahl an FIFA-Mitarbeitern in Florida tätig sein, doch viele Angestellte sind nicht bereit, den Umzug mitzumachen, was zu Unmut in der Belegschaft führt.

Die Hürden für die Satzungsänderung sind hoch. Drei Viertel der 211 Mitgliedsverbände müssen zustimmen. Allein die 55 europäischen Länder könnten eine Sperrminorität bilden und den Umzug verhindern. Doch viele Verbände, darunter auch der Deutsche Fußball-Bund, schmiegen sich an Infantinos Seite. Der DFB hofft, gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden den Zuschlag für die Frauen-WM 2027 zu erhalten.

Sollte die Satzungsänderung verabschiedet werden, könnten Miami oder Paris als neuer FIFA-Sitz infrage kommen. Auch andere Standorte wie Moskau oder Saudi-Arabien könnten ins Spiel kommen. Diese Pläne verdeutlichen, wie flexibel die Statuten des privaten Verbands unter Infantinos Führung gehandhabt werden können.

Die Amtszeit des Präsidenten ist offiziell auf drei Perioden begrenzt, doch er hat dies bereits gedehnt. Es bleibt abzuwarten, ob die Regel auf Dauer Bestand hat. Der mögliche Wegzug aus der Schweiz zeigt, wie schnell sich die FIFA unter der aktuellen Führung verändern kann.

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