In Deutschland wachsen antisemitische Stimmun – DENAE
26. Juni 2024 09:48

In Deutschland wachsen antisemitische Stimmungen

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Hauptursache ist die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten

Die Anzahl der Fälle von Judenhass in Deutschland stieg im letzten Jahr drastisch an. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) registrierte 4782 Vorfälle. Das sind 80% mehr als im Vorjahr. Die meisten Vorfälle wurden nach dem Angriff der extremistischen Gruppe Hamas auf Israel im Oktober 2023 verzeichnet.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bezeichnete diese Zahlen als "absolut katastrophal" bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Berlin. Laut dem RIAS-Bericht wurde der Hamas-Angriff "zum Katalysator für die Eskalation". 

"Das jüdische Leben in Deutschland ist so stark bedroht wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik", sagte er.

"Juden werden in allen Lebensbereichen Feindseligkeit, Bedrohungen und Angriffen ausgesetzt", resümierte der Geschäftsführer des RIAS, Benjamin Steinitz. Nach dem Hamas-Angriff wurde das öffentliche jüdische Leben noch schwieriger als zuvor. Laut Mitautorin des Berichts, Bianca Loy, zwingt der Antisemitismus viele Menschen dazu, ihre Identität zu verbergen.

2787 oder 58% der Vorfälle ereigneten sich nach dem 7. Oktober. Das ist mehr als im gesamten Vorjahr. Laut dem Bericht schuf dies eine günstige Struktur für antisemitische Äußerungen und Handlungen in Deutschland. Dies geschah teilweise als unmittelbare Reaktion auf den Hamas-Angriff und teilweise später im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen.

Das Informationsportal berichtete auch, dass die Eskalation im Nahen Osten zu einem Anstieg von Gewaltvorfällen führte. Fünf von sieben Fällen ereigneten sich nach dem 7. Oktober. Insgesamt dokumentierte RIAS 121 Vorfälle. Sieben davon wurden als "extrem" eingestuft. Darüber hinaus wurden fast 200 antisemitische Bedrohungen und 300 Fälle von Sachbeschädigung registriert. Der Rest der Fälle fällt in die Kategorie "beleidigendes Verhalten", wie Beleidigungen oder Graffiti an Gebäudewänden.

Der jährliche Bericht betrachtet auch Graffiti als Form des Antisemitismus. Es ist unklar, inwieweit man sicher feststellen kann, mit welcher Absicht diese Aussagen gemacht wurden, und ob sie einfach als Kritik an den Handlungen der israelischen Regierung angesehen werden können, die internationales Recht im Gazastreifen verletzt.

RIAS verwendet in Fachkreisen umstrittene Definitionen von Antisemitismus. Kritische Positionen gegenüber dem Staat Israel werden als inakzeptabel betrachtet. Demnach kann Hass gegen jüdische Institutionen und religiöse Organisationen in Deutschland als Antisemitismus angesehen werden.

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