Gegenseitige Zölle zwischen EU und USA werden Wirtschaftswachstum in Europa zunichte machen. Der deutsche Aktienmarkt sank vor diesem Hintergrund bereits.
Die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat davor gewarnt, dass gegenseitige Zölle zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten das Wachstum der Wirtschaft der Eurozone stark beeinträchtigen könnten. Sie äußerte sich am Donnerstag, den 20. März, bei einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments.
Laut Lagarde sind die 20 Länder der Eurozone "besonders anfällig für Veränderungen in der Handelspolitik". Sie verwies auf Berechnungen von EZB-Analysten, wonach US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf europäische Waren das Wirtschaftswachstum der Eurozone im ersten Jahr um 0,3 Prozentpunkte verlangsamen würden. Sollten die EU-Behörden Vergeltungszölle erheben, würde der Rückgang 0,5 Prozentpunkte betragen. Zum Vergleich: Bis Ende 2024 wird das BIP der Euroländer um 0,7 Prozent wachsen. Zuvor hatte die EZB prognostiziert, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr um 0,9 Prozent und 2026 um 1,2 Prozent wachsen werde.
Lagarde fügte hinzu, dass die Inflation in der Eurozone wegen des Handelsstreits mit den USA um 0,5 Prozentpunkte steigen könnte. Derzeit liegt sie bei durchschnittlich 2,3 Prozent. Die EZB-Präsidentin äußerte die Hoffnung, dass die EU und die USA in der Lage sein werden, die negativen Auswirkungen der Zölle durch Verhandlungen zu vermeiden, sofern die Ukraine-Frage die Parteien nicht endgültig trennt.

Am 20. März brach der deutsche Aktienmarkt ein. Der DAX, in dem die Aktien der 40 größten deutschen Unternehmen zusammengefasst sind, verlor im Tagesverlauf 1,24 Prozent und fiel unter die psychologische Marke von 23.000 Punkten. In der Spitze lag das Minus bei 2 Prozent. Der MDAX, der die Aktien von 50 kleineren deutschen Unternehmen umfasst, verlor 1,83 Prozent. Der EuroStoxx50-Index, der die Aktien von 50 Unternehmen aus den Ländern der Eurozone umfasst, verlor im Tagesverlauf 1 Prozent.
Analysten sehen die Gefahr eines Handelskrieges mit den USA als einen der Hauptgründe. Ein weiterer Faktor waren Gewinnmitnahmen der Anleger nach dem starken Kursanstieg am Vortag. Auslöser war die vom Bundestag beschlossene Reform der Schuldenbremse, die die Bereitstellung von mehreren hundert Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung vorsieht. Dies führte zu einer Aufwertung der Aktien großer deutscher Unternehmen, vor allem aus dem Rüstungssektor.
Der Analyst Jens Klatt vom Brokerhaus XTB sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass Lagardes "skeptischer Ton" bei der Anhörung im EP "zusätzlichen Druck" auf die Investoren ausüben könnte. Die Agentur dpa schreibt, die EZB-Chefin habe die Investoren auf die harte Realität eines eskalierenden Handelskriegs mit den USA zurückgeworfen.